Mental-Training im Zughunde-Sport

Am 24.- und 25.10.2020 durfte ich als Trainer und Teilnehmer Erfahrungen bei dem Herkules-Canicross Rennen in Calden sammeln. Wie es mir und Kumpelhund Balou erging, was ich gelernt habe und wieso Mental-Training im Zughundesport wichtig ist, erfährst du hier.

Die Idee zum Ausflug zu den Canicross-Spezialisten

Wir haben Montag den 19.10.2020. Heute mache ich mal einen Grundlagenlauf mit meinem Labrador Balou. Normalerweise darf er frei laufen. Dort wo es nicht anders möglich ist und er angeleint ist, muss er neben mir laufen. Heute darf er einmal mal ziehen. Wieso? Er läuft einfach gerne und vielleicht ist ein Canicross-Rennen etwas für ihn.

Dienstag komme ich auf die Idee doch einmal ein Hundetraining bei meiner Athletin Naomi mitzumachen. Ich habe selbst den Anspruch die Athleten so gut wie es geht zu verstehen. Umso besser ich diese verstehe, desto bessere Trainingspläne kann ich schreiben und desto besser kann ich meine AthletInnen unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich selbst noch nicht ob Balou in einem richtigen Geschirr überhaupt zieht. Er macht das Training jedoch super mit. Okay, er zieht nicht durchgängig, aber für das erste Mal echt super.

Ich komme auf die Idee vielleicht am Wochenende das Rennen mitzumachen. Möchte aber nochmal eine Nacht drüber schlafen.

Die Anmeldung zum Canicross-Rennen

Am Mittwoch erhasche ich mir noch einen Startplatz. Danke an das Orgateam rund um Ute, die dies noch möglich gemacht haben! Am Mittwoch gönne ich Balou und mir einen Pausentag. Wir sind beide platt vom Training gestern 😀 Hohe Belastungen oberhalb der Schwelle mache ich im Grundlagentraining aktuell gar nicht, für Balou war die Art der Belastung auch neu. Wir sind happy einen Startplatz bekommen zu haben. Eine kleine vertretbare Reise mit Übernachtung in der Natur (im Van) an frischer Luft und ohne Probleme Mindestabstände einhalten zu können.

Ich informiere meine Athletin Naomi, dass ich am Wochenende auch dabei bin und mir dann vor Ort einen Eindruck verschaffen kann. Sie ist positiv überrascht.

Das letzte Training vor dem Rennen

Am Donnerstag machen Balou und ich noch einmal ein Lauftraining im Wald. Das Ziehen klappt anfangs gar nicht. “Oje, kann am Wochenende ja nur besser werden”. Am Ende kapiert er es doch noch.

Am Freitag nach der Anreise, mit viel Stau, gibt es für mich noch einen kleine Probelauf. So lerne ich die Strecke kennen.

Mental-Training im Zughunde-Sport

Natürlich nutze ich als Mentaltrainer die Gelegenheit um selbst viel zu lernen, selbst mental zu trainieren und meine Athletin bestmöglich zu unterstützen. Wir setzen unter anderen das Prognose-Feedbacktraining ein.

Das Prognose-Feedbacktraining unterstützt uns als Athleten dabei die äußeren Rahmenbedingungen und innere Aspekte der Leistung differenziert zu sehen. Wir können hierdurch viel über uns selbst lernen und die Leistung optimieren. Ein klasse Tool aus dem Mentaltraining.

Diese ist natürlich nur eine von vielen uns zur Verfügung stehenden Methoden. Ich nutze für jeden Athleten die Methoden, die sich individuell am besten eignen und gerade passend sind.

Dabei ist Mentaltraining für jeden Athleten super wertvoll. Am Wochenende habe ich viele Situationen gesehen bei denen ich mir gewünscht hätte dass die Person einen Mentaltrainer an der Seite gehabt hätte.

Wieso Mentaltraining im Zughundesport?

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist eine der engsten Beziehungen im Tierreich. Tiere nehmen Dinge wahr, noch weit bevor wir sie wahrnehmen, falls überhaupt. Ich denke dabei zum Beispiel an Hunde die vor elliptischen Anfällen warnen, noch bevor der Mensch es merkt. Auch mein Balou ist feinfühlig und merkt wenn es mir gut oder nicht so gut geht. Tiere haben ein wahnsinniges Gespür. Ich bin der Meinung dass diese auf einer Ebene kommunizieren und Dinge wahrnehmen, die wir als Menschen nicht wahrnehmen können.

Umso wichtiger ist es das der Mensch als “Leitwolf” oder “Leittier” im Wettkampf eine positive, kraftvolle und starke Präsenz ausstrahlt. Dies spürt das Tier und wird auch nur dann die Bestleistung abrufen können. Tiere spüren und merken sofort ob Herrchen oder Frauchen im Gespann voll mitgehen.

Mein Beispiel: Samstag vs. Sonntag

Am Samstag war ich voller Kraft und Motivation am Start. Es gab nur eine Aufgabe für mich, Balou so gut wie es geht unterstützen. Und das tat ich. Ich lief bis an mein Limit. Balou hat am Samstag so eine tolle Zugarbeit geleistet wie ich es mir nicht erträumt hätte. Klar, er wollte unterwegs mal schnuppern und hat auch nicht so gezogen wie ein trainierter Laufhund dies tun würde, aber er lief vor mir und hat die Leine schon zum größten Teil auf Spannung gehalten. Er hat mich echt unterstützt, ich habe ihn unterstützt. Eine tolle Teamarbeit.

Am Sonntag war ich jedoch bereits erschöpft. Diese Laufbelastung kenne ich aktuell halt gar nicht. Balou war sicherlich auch erschöpft. Vom Kopf her bin ich nicht all out gelaufen. Das hat Balou direkt gemerkt. Er schaute sich zwischendurch um und ist zeitweise eher neben als vor mit gelaufen. Ich glaube er wollte schauen ob mit mir alles in Ordnung ist. Power hatte er. Das habe ich daran gesehen dass er auch nach dem Zieleinlauf hätte weiterlaufen können und wollen.

Auch bei anderen Athleten habe ich deutliche Unterschiede gesehen. Die körperliche und mentale Leistung in Kombination mit dem Zughund und deren Leistung ist enorm. Auch Tiere können in den Flow kommen!

Mein Fazit zum Thema Mentaltraining im Zughundesport

Mensch und Tier gehen im Sport eine ungeheure starke Beziehung ein. Die Tiere spüren wie es dem Menschen geht und dies hat direkten Einfluss auf beider Leistung. Vermittelt der Mensch Zuversicht und Stärke, kennt er die richtigen Kommandos, ist er emotional, körperlich und mental richtig eingestellt, dann stehen dem gemeinsamen Flowerlebnis und einer Topleistung nichts im Wege.