Quadrathlon 2020 und Zukunft

In meinem heutigen Blogeintrag geht es um meine erste Hälfte der Quadrathlon Saison 2020 und die aktuellen Überlegungen für die Zukunft im Sport.

Corona hat auch den Quadrathlon im Griff

Ein wirklich verrücktes Sportjahr soll das Jahr 2020 werden. Nach zahlreichen Wettkampfabsagen für nationale und internationale Quadrathlonrennen finden nach Stand heute (28.07) insgesamt nur 3 Weltcuprennen statt. Tägliche Änderungen und weitere Absagen schließe ich aktuell auch nicht aus, da wir wieder einmal steigende Infektionszahlen haben. Und wieder einmal ärgere ich mich ein Stück weit über die rücksichtslosen Menschen die meinen in großen Gruppen rumhängen zu müssen oder gar Party- oder Sauforgien veranstalten zu müssen. Auch erlebe ich es immer wieder wie Mindestabstände nicht eingehalten werden. Dabei sollte jedem bewusst sein das wir uns noch mitten in der Coronazeit befinden und an dieser Stelle sollte Rücksicht und Abstand vorne anstehen.

Ich habe Mitte Februar selbst erlebt wie es ist sich in Quarantäne zu befinden und lag knapp 3 Wochen flach. Corona? Keine Ahnung, offensichtlich waren die zuständigen Stellen einfach überfordert. Bis dahin war ich mega gut unterwegs und hatte eine steile Leistungsentwicklung. In der Zeit des krankseins habe ich gemerkt wie wertvoll mir meine Gesundheit ist. Auch habe ich einige Überlegungen zwecks meiner beruflichen Zukunft angestellt. So bewerbe ich mich aktuell für das Referendariat und möchte meinen Weg zukünftig als Lehrer an der Schule bestreiten. Selbstverständlich möchte ich meine Tätigkeit als Trainer und Coach weiterführen. Nach der Lehrerausbildung spiele ich mit den Gedanken erst einmal zu 50% an die Schule zu gehen und den Rest als Athlet weiter in Richtung Profisport zu gehen. Aber dazu später mehr.

Am Ende meiner Krankheitsphase im März war ich heilfroh das es mir wieder besser ging und ich mich überhaupt wieder bewegen konnte. Die stückweise Aufnahme des leistungsorientierten Trainings gestaltete sich jedoch sehr schwer. Die Sperrung, insbesondere der Bäder, war für mich das Härteste. Hatte ich zuvor knapp 15-20km die Woche im Becken abgespult und dort echt viel erreicht, sollte das Schwimmen jetzt nicht mehr möglich sein. Bis zur EM Ende Juni war ich dann auch genau noch zweimal schwimmen. Das Kajaktraining war auch nicht ohne weiteres möglich, da die Vereinsanlagen an für sich gesperrt waren. Es gab jedoch in den Auflagen rechtliche Grauzonen, die ich nach einem längeren Gespräch mit einer Richterin entdeckt hatte. Völlig unverständlich war für mich an der Stelle ohnehin das sich auf den Rad- und Fußgängerwegen die Menschen fast gestapelt hatten, ich aber auf dem Wasserweg Ruhr nicht unterwegs sein durfte? Wieso? Sollte ich mich hier etwa bei Fischen anstecken?

Nun gut, kurz bevor mir hier die Decke auf dem Kopf viel gab es dann die ersten Lockerungen und ich durfte zumindest wieder offiziell Paddeln. Da das Lauftraining aufgrund des bekannten ITBS auch nur bedingt stattfinden konnte, lag mein Fokus jetzt nur noch auf etwas Kajakfahren und viel Radfahren. Das war an sich nicht verkehrt. Das Radfahren habe ich ja erst 2018 so richtig begonnen und da hatte ich ohnehin mit die größten Defizite, oder besser ausgedrückt, das meiste Potenzial 😉

EM in Kaposvár, ein Lichtblick

Es gab Licht am Ende des Tunnels. Als der Veranstalter der Quadrathlon Sprint EM einige Wochen vor dem Rennen bekannt gab, dass das Rennen stattfindet wird, machte sich Freude breit. Endlich ein Wettkampf. Danke an dieser Stelle auch nochmal für die Organisation. Diese war aufgrund der Auflagen sicherlich nicht einfach. Für uns als Sportler hieß es vor allem extrem lange Wege zwischen den Disziplinen zu überwinden. Aber das haben wir für das Racefeeling gerne in Kauf genommen.

Die erste Runde auf dem Rad lief ganz gut. Foto von L. Rohde

Zum Rennen: Die Raceweek und die letzten Tage vor dem Rennen liefen nicht perfekt, jedoch war ich sehr zufrieden. Für das Rennen hatte ich mir vorgenommen meine Leistungen aus dem Training abzurufen. Damit hätte es zu einer TOP3-Platzierung reichen können. Dementsprechend enttäuscht war ich über den 8. Platz Gesamt und 4. Platz in der Altersklasse. Der Start in das Rennen lief, dafür das ich kaum noch schwimmen war, sehr gut. Der lange Weg zur Wechselzone war schlecht. Ich musste zwischenzeitlich gehen. Da hat es sich gerächt das ich keine Wechseln trainiert habe. Aber die Führenden waren noch in Sichtweite, auch wenn diese sich einen guten Vorsprung erarbeitet hatten. Ich wusste aber um meine Stärken auf dem Rad und bin es auch entsprechend angegangen. Ich konnte in der ersten Runde etwas Zeit gut machen. Dann ging die Misere allerdings los.

Nachdem ich etwas getrunken habe ging es mit leichten Bauchschmerzen los und einen kleinen Aufstoßer, bei dem ich mich fast übergeben hätte. Nicht so wild dachte ich. Doch dann wurden in Windeseile aus dem Bauchschmerzen echte Bauchkrämpfe. Die Leistung fiel in den Keller.

Rückblickend betrachtet war die Ernährung am Wettkampftag + etwas zu viel Pulver in dem warmen Getränk der Radflasche wohl der Auslöser für das Problem.

Ich wusste das ich hier stark bin – Wäre der blöde Magen da nicht gewesen. Jeder Schritt war eine Qual. Bergab waren es noch größere Schmerzen. Ich war kurz davor abzubrechen, wollte das Rennen aber unbedingt finishen. Also ging es gegen den Schmerz, gegen den eigenen energielosen Körper in Richtung Ziellinie. So ein besch… Rennen hatte ich noch nie. Punkt.

Der Lauf war die Hölle. Foto von L. Rohde

Es hat ein paar Tage gedauert bis ich an das Rennen einen Haken setzen konnte. Dabei hat mir vor allem die tolle Zeit mit Kumpel-Hund Balou in meinem Van geholfen. Mit dem Van zu reisen ist eines meiner Lebensträume, den ich mir jetzt erfüllt habe. Ich freue mich auf viele weitere Wettkampf- und Sportreisen. Aber das nur am Rande.

Analyse des Rennens

Einige Tage später habe ich mich an die Analyse des Rennens gemacht. Dazu helfen neben der Renndokumentation und dem Erfolgsmonitoring auch weitere ZDF (Zahlen Daten Fakten). Hierfür vergleiche ich meine Zeiten in Relation zu dem Durschnittszeiten der Top 3 Athleten. Rein rechnerisch müsste ich also bei Gesamt 0% Abweichung auf Rang 2 landen. Zumindest wäre ich aber in den TOP3. International bei den Top3 mitzumischen ist ja auch mein sportliches Ziel im Quadrathlon.

Wenn ich nur mein Gefühl aus dem Wettkampf genommen hätte und mich mit den Top3 verglichen hätte, dann wäre ich schnell zu den Ergebnis gekommen dass ich mich trotz des ganzen Trainings nicht verbessert habe. Doch zählt für mich ja erst einmal meine eigene Entwicklung und erst dann der direkte Vergleich.

KaposvárSchwimmenRadKajakLaufGesamt
2019-21,23%-6,23%-8,15%-4,69%-8,71%
2020-13,02%-3,91%-4,85%-13,13%-7,64%
Meine Leistung im Vergleich zu dem TOP3 Durchschnitt.

Mir ist wichtig das ich mich und meine Leistung weiterentwickle. Wenn ich auf die Tabelle schaue und die Relation sehe, dazu bedenke wie schlecht das Rennen für mich gelaufen ist, muss ich doch sagen das es zumindest eine Weiterentwicklung gibt. Das es ohne Energiezufuhr und mit den angesprochenen Magenproblemen nach hinten raus nochmal einknickt, ist klar. Erstaunt war ich dennoch das ich mich in Relation im Schwimmen verbessert habe. Außerdem war ich auf dem Rad und im Kajak auch nochmal besser als 2019. Damit hätte ich niemals gerechnet. Es hat sich ganz anders angefühlt. Natürlich hat auf die Relation auch Einfluss wer in den Top3 ist und ob die stärksten Athleten wirklich am Start waren. Das ist mir durchaus bewusst und das verfälscht die Daten. Dennoch habe ich mich im Vergleich zum Jahr 2019 verbessert.

Wenn ich jetzt berücksichtige das ich meine Stärken auf der Mitteldistanz und Langdistanz sehe und dafür auch trainiert habe, lässt das mein gefühltes Chaosrennen zumindest gar nicht mehr so mega schlecht aussehen. Unzufrieden bleibe ich dennoch. Aus dieser Unzufriedenheit ziehe ich aber auch Kraft für die weiteren Schritte. Doch wie sollen diese aussehen?

Die Zukunft in meinem Sportleben

Für die Saison 2020 steht fest das ich die weiteren Weltcups noch mitnehmen möchte. Ich wollte mich dieses Jahr auf den Weltcup fokussieren, der hat nur nicht wirklich stattgefunden.

Darüber hinaus habe ich immer noch den Wunsch und verspüre den Drang “Sportprofi” zu werden. Was heißt das nach aktueller Auffassung für mich?

  • Ich richte mein Leben nach dem Sport aus.
  • Ich verbinde damit die sportliche Leistungsfähigkeit im Quadrathlon internationale Siege einzufahren.
  • Außerdem verbinde ich damit eine Top3 Platzierung in der Altersklasse bei den Ironman Weltmeisterschaften in Kona.
  • Daraufhin die Lösung einer Profilizenz + Qualifikation für Kona.
  • Mein Leben muss bis dahin beruflich und organisatorisch entsprechend auf den Profisport ausgerichtet sein und sehr nah an dem Leben “normaler” Sportprofis sein.

Meine Ausgangsvoraussetzungen sind nicht Optimal, das ist mir durchaus bewusst. Ich werde auch niemals mehr das Niveau der jungen wilden erreichen. Dennoch bin ich davon überzeugt das mit viel Energie, Fleiß und Arbeit alles möglich ist.

Ich erstelle mir seit einigen Tagen und Wochen ein Konzept, welches die Rahmenbedingungen und den Weg beinhaltet, den ich für die von mir gewünschte Entwicklung benötige. Die Planung reicht aktuell bis in das Jahr 2025. Ich denke innerhalb der nächsten 5 Jahre könnte ich meine Leistung und auch das berufliche Leben dahingehend entwickeln.

Aktuell beschäftige ich mich daher vor allem mit der Frage: “WILL ICH DAS WIRKLICH? Mir ist ganz bewusst das ich für den Weg unfassbar viel Energie aufbringen müsste. Ich bin mir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht 100% sicher ob ich diese Anstrengung unternehmen möchte. Wenn dann, dann richtig. Mit Halbgas wird es nämlich nichts.

Zwei Punkte setze ich für den ganzen Weg voraus:

  1. Gesundheit. Die Gesundheit geht vor. Ich zerstöre mir nicht innerhalb von “kurzer” Zeit meinen Körper mit dem ich dann noch weitere 50-70 Jahre (Vielleicht werde ich ja sogar über Hundert 😀 ) auf der Erde verbringen darf.
  2. Die Leidenschaft. Die Leidenschaft und der Spaß hat ebenfalls Vorrang. Natürlich macht nicht jedes Training Spaß. Wichtig ist mir jedoch das am Ende des Tages das Verhältnis passt und es mir einfach Bock macht. Ich möchte keinesfalls meine Liebe und Leidenschaft zum Sport verlieren.

Meine aktuelle Auffassung ist das es sich lohnen wird. Wenn ich auf dem Weg merke das es mir doch noch passt, dann habe ich auch keine Probleme damit meine Zielausrichtung nochmals anzupassen. Der Input würde meiner sportlichen Entwicklung so oder so gut tun.

Ich tüftel aktuell jedoch weiter an meiner Entscheidung und lasse es euch sicherlich wissen wenn ich mich entschieden habe. Ich lasse mir hiermit aber bestimmt noch ein paar Tage Zeit. Immerhin ist es etwas mit weitreichenden Folgen.

Bis dahin und weiterhin viel Erfolg,

Thorsten